Neuartige Aspekte - Unterscheidung von bestehenden Konzepten

Bildung zum Schutz der Erde geht in ihrer Visionsorientierung noch über die Vision einer Bildung für nachhaltige Entwicklung hinaus. Sie strebt nicht nur eine lebenswerte, gerechte Zukunft für Menschen, sondern eine friedliche, gewaltfreie Erde an, auf der Menschen, Tiere und Natur in Einheit, Liebe und gegenseitiger Achtung zusammenleben. Es geht also auch um den Schutz der Würde und des Lebensrechts der Tiere. Die anthropozentrische Sichtweise von Um-weltbildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung wird durch ein Konzept der Mit-weltbildung erweitert, bei dem angestrebt wird, dass z.B. auch Tier- und Naturrechte etabliert werden, woraus sich unter anderem auch ableitet, dass wir Menschen auch für eine Wiedergutmachung an Natur und Tieren sorgen sollten.

Bildung zum Schutz der Erde sieht aber auch den Bedarf, einen viel grundlegenderen Wandel in der Bildung anzustreben. Denn hierarchische Strukturen, Trennung von Lernen und Handeln, von Theorie und Praxis, Rollen der Lehrkräfte und der Lernenden, Konkurrenzprinzipien, Fremdbestimmung, Schulzwang, „Stoffvermittlung“, intellektbezogene Bildung, nicht authentische Vorbilder und Rahmenbedingungen, Mangel an Vision und vorgelebter Wertorientierung, Vernachlässigung von emotionaler Bildung sowie der Förderung von Empathie und Mitgefühl, Vernachlässigung von umfassender sozial, globaler Bildung - alle diese Aspekte sollten hinterfragt und verändert werden, wenn wir neueste Erkenntnisse der Hirnforschung berücksichtigen, aber auch ein Bildungssystem entwickeln wollen, das Kinder und Jugendliche dazu befähigt, mit Freude und aus eigenem Antrieb ein Leben lang dazu zu lernen, sich selbst zu reflektieren und mit den eigenen Talenten, Fähigkeiten und inneren Werten Teil der Lösung der Probleme dieser Erde zu werden, wenn sie das wollen.  

Das für die Zielgruppe 8-13jährige Kinder entwickelt mitweltpädagogische Konzept „Erdschützerausbildung“ stellt ein Beispiel für einen solchen Bildungswandel dar. Das Erdschützerausbildungskonzept unterscheidet sich von reiner Umweltinformation, von reinen Natur- und Waldpädagogikkonzepten, von erlebnispädagogischen oder biologisch orientierten Konzepten und auch von den Umweltbildungsprogrammen von Earth Education.

Im Unterschied zu den Umweltbildungsprogrammen von Earth Education ist die kreative Mitbeteiligung (Partizipation) ein wesentliches, unverzichtbares Element des Konzepts „Erdschützerausbildung“. Das praktische Erproben neuer Handlungsmöglichkeiten und die Förderung kreativer Gestaltungskompetenz bei Kindern (z.B. durch die Methode „Zukunftswerkstatt“) sind wesentliche Bestandteile eines jeden der fünf Erlebnisprojekte (Module). Im Unterschied zu Earth Education wird bei beim Konzept „Erdschützerausbildung“ in erster Linie Wert auf die fachliche und persönliche Qualität der Leiter/innen und auf die von diesen vorgelebten, ethischen Werte und Handlungsmöglichkeiten (siehe: Qualitätskriterien in Bezug auf die Leiter/innen) gelegt. Alle Leiter/innen sind Partner, die forschend und im Austausch mit den anderen MultiplikatorInnen das Konzept kreativ weiterentwickeln.

Elemente von Natur- und Waldpädagogik sind wesentliche Bestandteile des Konzepts, um Kinder durch intensive Erfahrungen und Erlebnisse für die Natur zu sensibilisieren. Kinder lernen Achtung vor der Natur und Achtung vor Tieren. Positive Naturerlebnisse sprechen die Kinder emotional stark an und können sie dafür öffnen, ihren eigenen Konsum- und Lebensstil überdenken zu wollen. Doch sie benötigen auch Wissen, um die Erde schützen zu können.  Die Erdschützerausbildung verknüpft beides miteinander. Sie vermittelt grundlegende ökologische Kenntnisse, Themen des Tierschutzes und der globalen Gerechtigkeit – mit erlebnispädagogischen Methoden und alternativen Lernformen.

Die Mitbeteiligung der Kinder (Partizipation) in allen Phasen des Projektes spielt eine wichtige Rolle. Kinder sind nicht nur Lernende, sondern auch kreativ Verändernde. Sie können mit der Umsetzung des Gelernten unmittelbar und konkret zum Schutz allen Lebens auf der Erde beitragen. Sie erfahren, dass sie zwar Teil der Probleme unseres Planeten Erde sind, aber auch Teil der Lösung werden können, wenn sie es wollen.

Positive Naturerlebnisse öffnen Kinder dafür, ihre Beziehung zur Natur zu überdenken Kinder brauchen auch Wissen und Kompetenzen, um eine bessere Zukunft mitgestalten zu können Forschendes Lernen und Mitbeteiligung der Kinder sind unverzichtbare Bestandteile unseres Konzepts